18/07/2026 0 Kommentare
Sommerhit
Sommerhit
# Sonntagsgedanken

Sommerhit
Jahr für Jahr werden Sommerhits gekürt. Meistens sind es beschwingte Melodien mit karibischen oder südlamerikanischen Rhythmen und mehr oder weniger sinnvollem Text. Der Sommerhit in der Kirche ist dagegen Jahr um Jahr „Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhard. Langweilig? Vielleicht. Aber sicher kein Zufall. Dem Pfarrer aus dem 17. Jahrhundert ist ein großartiges Lob auf die Natur mit all ihrer Schönheit gelungen. Wenn man das Lied hört, stellen sich automatisch Bilder vor dem inneren Auge ein. Und unwillkürlich stimme ich mit ein: „Ich selber kann und mag nicht ruhn des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.“
Ein Lied für unbeschwerte Sommertage? Durchaus, aber nicht nur. Als Paul Gerhard 1653 die Zeilen schrieb, waren erst wenige Jahre nach dem dreißigjährigen Krieg vergangen, der tiefe Spuren im Leben der Menschen hinterlassen hatte. Von Zuversicht und Lebensfreude war nicht viel zu spüren. Paul Gerhard und seine Frau hatten außerdem gerade ein Kind verloren. Die Trauer hatte die Mutter übermannt. So ist dieses Lied ein Trostlied, geschrieben für seine Frau und für alle Menschen. Der Blick auf Gott und seine Schöpfung soll Zuversicht und Hoffnung schenken.
Der Blick geht über diese Welt hinaus. Die wunderschöne Welt ist nur ein Vorschein auf das Paradies, das auf uns wartet. Bis dahin, schlägt der Lieddichter vor, können wir uns als Teil der Schöpfung sehen, als Baum oder Blume in Gottes Garten und formuliert das wie folgt: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir wird‘ ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.“ Mir gefällt das Bild. Wie wäre es also beim nächsten Ausflug in die Natur mal einen Blick darauf richten, welche Pflanze in Gottes Garten wohl zu meinem Leben passt?
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